Erhöhte Hinzuverdienstgrenze: Informationen für Arbeitgeber und Rentner mit Nebenbeschäftigung

Januar 2022: Auch 2022 gilt für Rentner, die die Altersgrenze noch nicht erreicht haben, eine erhöhte Hinzuverdienstgrenze: Sie dürfen bis zu 46.060 Euro verdienen, ohne dass ihre Rente gekürzt wird. Ein paar Dinge sollten solche Beschäftigte und ihre Arbeitgeber allerdings beachten.

Auch 2022: Befristet erhöhte Hinzuverdienstgrenze für Rentner mit Nebentätigkeit

Eigentlich dürfen Rentner, die die Altersgrenze noch nicht erreicht haben, nur 6.300 Euro im Kalenderjahr zusätzlich verdienen, sonst vermindert der Nebenverdienst die Rentenleistung. Doch diese Grenze wurde schon für das erste Corona-Jahr 2020 befristet erhöht, und zwar auf 44.590 Euro. Für die Jahre 2021 und nun auch 2022 gilt jeweils sogar eine Hinzuverdienstgrenze von 46.060 Euro (§ 34 Abs. 2 SGB IV i. V. m. § 302 Abs. 8 SGB IV).

Ziel der Sonderregel: Unternehmen sollen Personalengpässen in Folge der Pandemie leichter überbrücken. Im Jahr 2023 gilt voraussichtlich wieder die alte Grenze von 6.300 Euro.

 

Für wen gilt die Hinzuverdienstgrenze und wir wirkt sie sich aus?

  • Die Hinzuverdienstgrenze gilt bei einer vorgezogenen Altersrente vor dem Erreichen der individuellen Regelaltersgrenze. Dies ist bei einer Altersrente für langjährig Versicherte bzw. besonders langjährig Versicherte, einer Altersrente für schwerbehinderte Menschen, einer Altersrente für Frauen und einer Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeitarbeit möglich.

 

  • Der Verdienst aus einer Nebentätigkeit wird in diesen Fällen bis zur Altersgrenze nach folgender Formel auf den Rentenbezug angerechnet (Altersteilrente):
    ((Jahresverdienst – geltende Hinzuverdienstgrenze)/ 12) * 0,4
    Der so errechnete Betrag wird von der monatlichen Rentenzahlung abgezogen.

    Beispiel: Herr A. bezieht eine vorgezogene Altersrente als langjährig Versicherter von 1.200 Euro im Monat. Im Jahr 2022 verdient er außerdem 48.000 Euro mit einer Nebentätigkeit. Dieser Jahresverdienst liegt um 1.940 Euro über der Hinzuverdienstgrenze, das entspricht einem monatlichen Mehrbetrag von 161,67 Euro. 40 Prozent dieses Monatswerts, d. h. 64,67 Euro, werden Herrn A. von seiner monatlichen Rente abgezogen. Damit beträgt seine Altersteilrente nun 1.135,33 Euro im Monat.

 

  • Außerdem gilt ein sogenannter Hinzuverdienstdeckel: Teilrente und Hinzuverdienst dürfen zusammen nicht über dem Einkommen vor Rentenbeginn liegen, andernfalls wird der Hinzuverdienst zu 100 Prozent angerechnet.

 

  • Für die Hinzuverdienstgrenze wird das Bruttoentgelt aus der Nebentätigkeit berücksichtigt. Weitere Einkünfte, z. B. aus einer Selbstständigkeit oder aus Vermietung, zählen ebenfalls.

 

  • Sobald Altersrentner die für ihren Jahrgang geltende Altersgrenze erreicht haben, können sie so viel dazuverdienen, wie sie wollen, ohne dass ihre Rente gekürzt wird. Die Altersgrenze lag 2012 bei 65 Jahren, seither steigt sie laufend an. Ab dem Jahrgang 1964 liegt sie bei 67.

 

  • Beim Bezug einer Hinterbliebenenrente (Witwenrente) gilt ein eigener Freibetrag, ab dem das Einkommen zu 40 Prozent auf die Rentenzahlung angerechnet wird. Dieser Freibetrag ändert sich mit dem Rentenwert. Derzeit gilt bei der Hinterbliebenenrente ein Grundfreibetrag von 902,62 Euro in den alten und von 883,61 Euro in den neuen Bundesländern. Kinder mit Anspruch auf Waisenrente erhöhen den Freibetrag. Für die Waisenrente selbst ist ein zusätzliches Einkommen unschädlich.

 

  • Bei Bezug einer vollen Erwerbsminderungsrente gilt ebenfalls eine Hinzuverdienstgrenze von 6.300 Euro (wie bei Altersrentnern, ohne die aktuelle befristete Erhöhung). Bei einer Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung gilt eine individuelle Hinzuverdienstgrenze, die vom Einkommen vor Rentenbeginn und der aktuellen jährlichen Bezugsgröße abhängt. Damit ergibt sich eine Mindesthinzuverdienstgrenze, die 2022 bei 15.479,10 Euro liegt. Nebeneinkommen über der jeweiligen Hinzuverdienstgrenze wird zu 40 Prozent auf die Erwerbsminderungsrente angerechnet. Außerdem gilt auch für diese Rentenart der oben beschriebene Hinzuverdienstdeckel.

 

  • Rentner, die geringfügig beschäftigt sind, dürfen wie alle anderen Minijobber grundsätzlich nur 5.400 Euro im Kalenderjahr verdienen. Beim Überschreiten dieser Grenze wird der Minijob zur sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Ausnahmen gelten nur bei unvorhergeseher Überschreitung in maximal drei Monaten pro Jahr. (Die Corona-Sonderregelung, die vier solche Überschreitungen erlaubte, ist am 31. Oktober 2021 ausgelaufen.)

 

  • Dagegen können Altersrentner die erhöhte Hinzuverdienstgrenze in einer sozialversicherungsfreien, kurzfristigen Tätigkeit voll ausschöpfen, ohne dass dieser Status verloren geht. Selbstverständlich müssen die Voraussetzungen erfüllt Großer Vorteil von Rentnern: Bei ihnen gelten solche Tätigkeiten in der Regel als nicht „berufsmäßig“. (Die 2021 geltende Verlängerung der zulässigen Dauer solcher Jobs ist mittlerweile ausgelaufen.)

 

Sozialversicherungspflicht bei Beschäftigung von Rentnern im Kurzüberblick

Bis zum Monat des Erreichens der Regelaltersgrenze sind Altersrentner im Fall einer (nicht geringfügigen) Beschäftigung rentenversicherungspflichtig. Danach kann der Rentner freiwillig weiter Beiträge einzahlen. Der Arbeitgeberanteil zur Rentenversicherung fällt in jedem Fall an.

 In der Krankenversicherung gilt der ermäßigte Beitragssatz, da Altersrentner keinen Anspruch auf Krankengeld haben. Außerdem gilt Versicherungspflicht in der Pflegeversicherung.

Bis zum Erreichen der Altersgrenze fallen Arbeitslosenversicherungsbeiträge an. Nach dem Erreichen ist nur noch der Arbeitgeberanteil abzuführen. Die Sonderregelung aus dem Flexirentengesetz, aufgrund deren die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung seit 2017 entfielen, ist zum 31. Dezember 2021 ausgelaufen.

Kategorie

Lohn- und Gehaltsabrechnung

Themen:

Lohn und Gehalt Minijob Versicherungen

Verwandte Artikel

Artikel

Kurzarbeit: Es bleibt beim erleichterten Zugang zu Kurzarbeitergeld (KUG)

Lohnabrechnung Lohn und Gehalt Kurzarbeit

Oktober 2022 - Unternehmen können auch weiterhin unter erleichterten Bedingungen Kurzarbeit anmelden und Kurzarbeitergeld für ihre Beschäftigten beantragen. Bis vorerst Ende des Jahres 2022 bleibt es dabei, dass Kurzarbeitergeld schon bei einem Arbeitsausfall von 10 Prozent ausgezahlt wird. Außerdem kann die Bundesregierung nun eine Reihe anderer KUG-Sonderregelungen aus der Zeit der Pandemie wieder einführen.

Artikel

Die Veränderungen bei geringfügiger Beschäftigung und im Übergangsbereich ab Oktober 2022

Minijob Lohn und Gehalt Mindestlohn

August 2022: Ab dem 01. Oktober 2022 steigt der gesetzliche Mindestlohn auf 12 Euro pro Arbeitsstunde. Neu ist auch, dass der höhere Mindestlohn für einen Anstieg der Verdienstgrenze bei Minijobs bzw. geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen sorgt. Sie liegt dann bei 520 Euro pro Monat. Der Übergangsbereich für Midijobs wird bis zu einem Monatslohn von 1.600 Euro reichen.

Artikel

Ab September: Tariflohn für stationäre Pflegeeinrichtung

Lohn und Gehalt Gesetze

Juli 2022: Arbeitgeber im Pflege- und Betreuungsbereich müssen Pflegekräften spätestens ab dem 01. September 2022 Tariflöhne bezahlen, um ihre Zulassung zu behalten. Mit Einrichtungen, die ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Pflegedienst nicht nach Tarif entlohnen, kann die Pflegeversicherung als Leistungsträger dann keine Leistungen mehr abrechnen. Viele Pflegeeinrichtungen stehen damit vor der Herausforderung, ihre Lohn- und Gehaltsabrechnung auf tarifliche Vergütungssysteme auszurichten.

Artikel

Neue Regelungen für die Lohnabrechnung: rückwirkende Korrekturen werden notwendig

Lohn und Gehalt Steuern Gesetze

Juni 2022: Der Frühsommer 2022 brachte eine ganze Reihe neuer gesetzlicher Regelungen, die für Arbeitgeber relevant sind und sich zum Teil direkt auf die Lohn- und Gehaltsabrechnung auswirken. Hintergrund ist zum einen die Belastung durch gestiegene Energiekosten. Zum anderen geht es nach wie vor um die Bewältigung der Corona-Krise.

Artikel

Homeoffice im Ausland: Was bedeutet das für die Lohn- und Gehaltsabrechnung?

Internationale Unternehmen Lohn und Gehalt Steuern

März 2022: Was gilt für die Lohn- und Gehaltsabrechnung, wenn das Homeoffice eines Mitarbeiters im Ausland liegt? Diese Frage hat durch die Pandemie an Bedeutung gewonnen. Sie betrifft Grenzgänger ebenso wie Mitarbeiter, die Homeoffice-Phasen unter der südlichen Sonne verbringen.